aufräumen…

Gott sei Dank ist der Februar da. Ende Jänner ist immer eine ganz schwierige Zeit für mich. Vieles an traumatischen Ereignissen jährt sich dieser Tage. Unter anderem die Geburt meines 2. Kindes. Um einigen meine teils schlechte Stimmung zu erklären oder um anderen zu zeigen dass sie mit ihrem Schicksal nicht alleine sind werde ich nun nach und nach „meine Geschichte“ erzählen. Ich werde ganz einfach irgendwo anfangen, um auch für mich aufzuräumen.

Ich habe mir immer mehr als ein Kind gewünscht und war überglücklich als ich ungefähr ein Jahr nach der Geburt meiner Tochter wieder schwanger war. Die ersten Untersuchungen waren gut. Bis zur Nackenfaltenmessung. Eine angespannte Situation im Spital, ein sorgenvoller Blick und Schweigen meines damaligen Gynäkologen haben nichts Gutes verheissen. Ich soll gleich was unternehmen und am besten abtreiben lassen. Das wollte ich nicht wahr haben. Ich war doch erst 32, mein Expartner sogar jünger. Das konnte einfach nicht sein, gemeinsam haben wir nicht mal annähernd ein kritisches Alter erreicht. Vielleicht doch ein Fehler? Ich habe mich dagegen entschieden und einer Fruchtwasserpunktion zugestimmt. Diese konnte aber erst 2 Wochen danach durchgeführt werden. Keine angenehme Sache muss ich sagen. Über Ultraschall wird der Einstich der Nadel verfolgt und eine Probe entnommen um einen Chromosomensatz abzubilden. Wieder 2 Wochen warten… alles in allem sehr belastend was die Psyche betrifft. Du hoffst, du betest, du zweifelst… Gespräche darüber was man macht im schlimmsten Fall. Behalten? Die Schwangerschaft beenden?

Ende der 18. SSW kam an einem Donnerstag Abend der Anruf. Es wäre mehr als im „Argen“ quasi. Ich möchte doch bitte am nächsten Tag ins Spital kommen um die Geburt einzuleiten. Ab da war ich in Schockstarre, ich glaube ich habe mehr geweint als all die Jahre zuvor. Um 8h wurde die Geburt eingeleitet und mit der Anzahl der Stunden ist auch meine Angst gewachsen. Ich wusste nicht was passieren wird und worauf ich mich einstellen muss. Man liest ja von frühen Frühchen und ich wusste nicht ob mein Bub überhaupt lebensfähig war. Die diensthabenden Hebammen waren glaub ich weder geschult noch sensibel. Denn auf meine Frage ob das Kind noch lebt wenn ich es zur Welt bring wurde mir erklärt “ nein, nein das wird quasi noch im Mutterleib erdrückt mit der letzten Wehe“ Was das für eine Frau bedeutet kann man schwer bis gar nicht erklären. Meine Ängste haben sich multipliziert und ich habe versucht innerlich alles rückgängig zu machen. Dieser Geburtsstillstand hat natürlich nicht geholfen. Mehr Medikamente, mehr Angst. Bis 1:30 in der Nacht hat es gedauert. Dann war es quasi „vollbracht“ Aber die Verkettung von Situationen und Aussagen nicht. Die Plazenta hat sich nicht gelöst. Eine halbe Ewigkeit wurde auf meinem Bauch herumgedrückt, ohne Erfolg. Also ab in den OP zur Curretage. Der OP Helfer wurde scheinbar aus dem Schlaf gerissen, hat er mir doch zur Geburt gratuliert und gefragt was es denn geworden sei als er mich vom Bett auf den OP Tische gehieft hat. Ihm bin ich nicht bös… den Hebammen schon. Denn am Morgen wollte ich nicht gehen ohne mich von meinem Kind zu verabschieden. Begräbnis würde es aufgrund des Geburtsgewichts nicht geben, es käme in ein Massengrab. Also bitte ich die Hebamme um Hilfe. Da bringt sie das 20cm Würmlein in einem grünen sterilen Tuch und der Satz ist mir (wie die anderen) noch heute im Ohr “ Ist schon was faszinierendes so ein Kind“ Durch den Tränenstrom habe ich mich versucht zu entschuldigen, zu verabschieden und meine mich aus dem Spital abholende kleine Tochter zu begrüßen. Ab da habe ich für viele Wochen in einer Art Blase gelebt.

Mein Expartner hat das Geschehnis mit dem Waschen des Kindes für sich abgeschlossen. Ich wurde allein gelassen. Die Frau die mich zur Welt gebracht hat meinte “ jetzt reiss di zamm“ . Sie hat die Chance für sich genutzt sich wie eine Zecke ins Fell eines Hundes zu setzen und alles an sich zu reissen um Ruhm und Anerkennung zu kassieren. Geholfen oder mich verstanden hat sie nicht. Depression ist doch a modische Erscheinung und ein Zeichen von Charakterschwäche. Die mir von der Krankenkasse zur Seite gestellte Psychologin soll zwar eine Koryphäe gewesen sein, aber es hat zwischen uns keine Basis gegeben. Das eine Mal als mein Partner gebeten wurde mitzukommen, um ihm zu erklären was in mir vorgeht und dass das schon hormonell eine Zeit dauert um mich zu erholen, hat er abgelehnt. In Wahrheit hatte ich Null Unterstützung. Das war auch der Knackpunkt der Ehe. Ich habe Sex als Grund allen Übels empfunden und mich verweigert. Er hat sich eine andere genommen. Er wusste genau wo das Grab war, mir aber empfohlen nicht hin zu gehen. Es würde mich nur wieder in ein Loch reissen.

Jahre später haben mir Freunde eine Abschiedsfeier ebendort organisiert. Sie haben Musik und Luftballone mitgebracht. Eine Schachtel gebastelt, eine gewidmete Windel war drin und Bücher und und und … alles was ich bei meiner „Familie“ vermisst habe …

Diese Wund wird nie heilen, es ist im Laufe der Jahre leichter geworden. Aber die Enttäuschung ist einfach groß. Ich habe oft mit dem Schicksal gehadert und mich gefragt warum andere wie die Karnikel werfen und sich nicht um ihre Kinder kümmern und mir bleibt es verwehrt… Antwort gibt’s keine ich weiß.  Ich weiß nur was Illoyalität bedeutet und die bekomme ich gerade die Tage in anderer Form wieder serviert. Ich bin aber nicht gern in der Opferrolle wie manche behaupten. Aber euch würde ich gerne sehen die weder von Partnern noch Familie Unterstützung haben und immer allein und auf sich gestellt sind.

Jedenfalls war diese unvorhersehbare Geschichte Auslöser einer Großzahl meiner Ängste und des Nicht Schlafen Könnens. Ich war jahrelang bei vielen vielen Ärzten. Keiner konnte helfen. Mal ist es besser, mal ganz schlecht. Schlafen bedeutet Kontrolle abgeben und das trau ich mir ganz schwer bis gar nicht zu. Seit 17 Jahren habe ich ein gewaltiges Defizit. Oft schlafe ich nicht mehr als 3- 4 Stunden und die nicht am Stück. Ich brauch mir aber keine Gedanken über Hätti Wari machen .. damals ist es so gelaufen. Ich wars die da durchmusste und die weitermachen muss…

Sollte ich mit meiner Offenheit schockiert haben… morgen gibt’s wahrscheinlich wieder harmlose Fotos ….

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Brigitte Vogl sagt:

    Ach das tut mir wirklich leid und gleichzeitig weh, das man dich so im Stich gelassen hat! Ich finde es mutig und gut, das du einen Teil deines Lebens so ehrlich mit uns teilst! Ich kann deinen Schmerz nicht nachempfinden, da ich nie ein Kind verlor! Aber ich denke, ich kann es körperlich spüren, wie weh es tut! Ich weiss ich kann dir heute nicht mehr helfen, du hättest damals jemanden gebraucht!!! Wenn du es mir erlaubst, möchte ich dich und deinen kleinen Sohn kurz in die Arme nehmen und halten, wenn auch nur sinnbildlich! Brigitte

    Gefällt 1 Person

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