Klasse für alle

Keine Musik vermag deine Phantasie mehr zu beflügeln als Klassik. Gut, vielleicht sind das die ersten ernsten Anzeichen des Älterwerdens. Ich höre zunehmend gern klassische Musik, vor allem beim Autofahren. Allerdings passiert es mir dann dass ich nicht weiß wie ich von A nach B gekommen bin. Diese Töne heben meine Seele und rufen noch mehr Blockbuster als sonst in meinem Kopf hervor.

So auch gestern Abend. Ich hatte mit meiner Freundin O. das Kontrastprogramm zu Sonntag, ein Konzert der Wiener Akademischen Philharmonie, und war mehr als entzückt sowie entrückt für einige Stunden. Ich bin froh dass kein Mensch meine ständig aufploppenden Gedankenblasen über meinem Kopf sehen kann, wäre ich dem „Guglhupf“ doch näher als geahnt. Ich versuche es mal für euch halbwegs nachvollziehbar zu gestalten:

Du siehst die noch leere Bühne und zahlreiche Hinterköpfe vor dir im Publikum und dann kommen die Künstler, minimum 100 Variationen an „künstlerischem Schwarz“. Sie nehmen huldvoll Platz und stimmen ihre Instrumente.  Königlich betritt der Maestro den Raum, der Dirigent der alles mit einem kleinen Stäbchen unter seiner vermeintlichen Regie zum famosen Reigen erheben wird. Das 1. Stück startet und damit der Höhenflug deiner Seele und Phantasie. Es wär als würde endlich die passende Hintergrundmusik dein Leben untermalen – in dem Fall war es die Fantasie Ouvertüre „Romeo und Julia“ von Tschaikowski. Das gestaltet sich wegen des fehlenden Romeos leicht schwierig. Macht mir aber nichts, ich deck ja immer alles allein ab. Ein wunderbares Stück in meinen Augen und dann kommen sie, die Gedanken, dein Leben, du siehst Edward mit den Scherenhänden den Menschen vor dir die Haare zurecht machen und disneyartige Szenen voller Tiere und glücklicher Menschen auf Waldlichtungen, Sonnenaufgänge und dunkle Gestalten,  tanzende Elfen, huldvoll dirigierte und selbstschreibende To do Listen, Geschehnisse aus deinem Leben mit verschiedenen Endszenen, alles beginnt sich zu drehen und du fliegst wie ein Vogel im Rausch mit den Noten und wechselst Raum und Zeit. Bis einer hustet und schneuzt und sich dafür die leisesete Szene aussucht ….

Ein Teil des Abends wurde von einer Harfenistin beschrieben, noch nie in dem Ausmass gehört auf der Bühne. Ein sensationell vielseitiges Instrument, ausserdem praktisch weil man sitzen kann und es Teile deines Körpers verdeckt ^^^Bei ihrem Solo gestern habe ich einige Musiker beobachtet die im Gesicht stehen hatten “ Fuck, hätt ich doch das gelernt anstatt die Rudel-Streicher-Biene zu sein. “

Kurz vor Ende des Konzerts machst du den „Bezaubernde Jeannie“ Zwinkerblick und das ganze Orchester dreht sich und wird klein und du packst es in ein Fläschchen um es fortan auf deinem Nachtkästchen oder im Auto zum musizieren zu bringen.

Lasst euch mal ganz bewust auf Klassik ein, hört Ö1 oder sucht auf youtube. Eine meiner Lieblingsserien ist mir wahrscheinlich deswegen so sympathisch weil der Hauptdarsteller ein Schizo ist der sich nur bei klassischer Musyik entspannen kann.

Ich muss nun Wäsche bügeln und werde umsonst warten dass mir ähnlich wie Schneewittchen von den Tieren im Wald geholfen wird. Meine Katzen interessieren sich nur für die gerade Riesenschachtel meines Kuschelkissens…. vielleicht vergeht ja die Hausarbeit auch wie eine Fahrt von A nach B im Blindflug. Das wär der Klassiker des Jahrhunderts!

Hörprobe des Tages https://www.youtube.com/watch?v=Cxj8vSS2ELU

Dirigent

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